KeyHelp im Praxiseinsatz: Einrichtung, Grenzen, Erfahrungen

KeyHelp ist bei Plesk-Umsteigern das Panel, das am häufigsten genannt wird – und das aus nachvollziehbaren Gründen. Hier eine Bestandsaufnahme: was es ist, was es kostet, wo es aufhört. Wer es produktiv fährt, möge unten ergänzen; Featurelisten sagen wenig über den Alltag.

Wer dahintersteht

Entwickelt wird KeyHelp von der Keyweb AG, einem Hoster aus Thüringen, den es seit 1997 gibt. Ursprünglich als internes Werkzeug entstanden, weil die vorhandenen Panels als „aufgebläht" empfunden wurden – nach einem Redesign 2014 dann öffentlich verfügbar. Seit 2020 gibt es zusätzlich eine Pro-Variante.

Das ist für die Vertrauensfrage nicht unwichtig: Hinter dem Panel steht ein Unternehmen, das es selbst im Produktivbetrieb einsetzt, kein Nebenprojekt. Umgekehrt heißt es aber auch, dass die Entwicklung an einem einzelnen Anbieter hängt – anders als bei einem breit getragenen Open-Source-Projekt.

Was es kostet

Die freie Version ist kostenlos und ohne Domainlimit. Das ist der eigentliche Unterschied zu Plesk: Dort entscheidet die Domainzahl über die Edition und damit über den Preis, hier nicht.

KeyHelp Pro liegt bei 9 € im Monat und bringt vor allem Komfort: One-Click-Installer für CMS- und Shopsysteme, Spamfilter, SSH-Chroot-Umgebung, Dark Mode. Wer bei Keyweb hostet, bekommt Pro ohne Aufpreis.

Für ein typisches Setup – ein Root-Server, ein paar eigene Projekte, ein paar Kundendomains – reicht die freie Version in aller Regel.

Voraussetzungen

Hier liegt die wichtigste Einschränkung, und sie ist ein Ausschlusskriterium oder eben keins:

  • Nur Debian und Ubuntu LTS. Kein AlmaLinux, kein Rocky, kein CentOS. Wer auf RHEL-Derivaten unterwegs ist, kann aufhören zu lesen – dann kommen eher ISPConfig oder HestiaCP infrage.
  • 64 Bit, amd64 oder arm64
  • Mindestens 2 GB RAM, empfohlen werden 4 GB
  • Frisch installiertes System mit Root-Zugriff. Ein Server, auf dem schon ein anderes Panel oder eine handgepflegte Webserver-Konfiguration liegt, ist kein guter Ausgangspunkt.

Der letzte Punkt wird gern unterschätzt. Wer von Plesk migriert, richtet in der Praxis meistens einen zweiten Server auf und zieht um – nicht, weil es anders nicht ginge, sondern weil das Aufräumen länger dauert als die Neuinstallation.

Was es abdeckt

Domains und Subdomains ohne Zahlbegrenzung, eigene DNS-Einstellungen, Mailkonten, FTP-Benutzer, MySQL-Datenbanken, SSL-Zertifikate, Backups, dazu Benutzer- und Resellerkonten mit abgestuften Rechten. Es gibt einen automatisierten Installer und eine REST-API für die Anbindung an eigene Abläufe.

Die Oberfläche ist in über 15 Sprachen verfügbar, Deutsch ist dabei die Originalsprache und nicht die Übersetzung – was sich in der Qualität der Fehlermeldungen bemerkbar macht.

Wer sich das vor der Installation ansehen möchte: Es gibt eine öffentliche Demo unter demo.keyhelp.eu.

Wo es aufhört

Ehrlich benannt, damit hinterher niemand überrascht ist:

  • Kein Äquivalent zum WordPress Toolkit. Der One-Click-Installer in Pro installiert – er verwaltet nicht. Massen-Updates über dreißig Installationen, Staging-Umgebungen, Klone auf Knopfdruck: gibt es so nicht.
  • Kein RHEL-Zweig, siehe oben.
  • Kein Erweiterungs-Ökosystem in der Größenordnung von Plesk. Was drin ist, ist drin.
  • Support ist Community-Support, sofern man nicht bei Keyweb hostet. Das Forum ist aktiv und das Wiki brauchbar, aber es gibt keine Ticket-SLA.

Für wen es passt

Passt gut, wenn: ein oder wenige Server, Debian oder Ubuntu, überschaubare Zahl von Projekten, und der Wunsch, für Panel-Komfort nichts oder wenig zu zahlen.

Passt schlecht, wenn: RHEL-Derivate im Einsatz sind, viele WordPress-Instanzen zentral verwaltet werden müssen, oder ein Support-Vertrag mit Reaktionszeiten gebraucht wird.

Fragen an die Runde

  1. Wie lange läuft eure KeyHelp-Installation schon, und wie problemlos waren die Versionssprünge? Bei Panels ist das erfahrungsgemäß die Stelle, an der sich Spreu und Weizen trennen.
  2. Nutzt jemand die REST-API produktiv? Da findet man wenig Erfahrungsberichte.
  3. Wer ist von Plesk gekommen: Was habt ihr vermisst, nachdem die erste Erleichterung über die eingesparte Lizenz verflogen war?