Wer von Plesk auf das kostenlose KeyHelp umsteigen will, steht vor einer manuellen Migration – einen offiziellen Plesk-Import gibt es in KeyHelp nicht. Mit einem strukturierten Vorgehen ist der Umzug trotzdem gut machbar. Dieses Tutorial beschreibt den Ablauf für ein typisches Setup (Websites + Datenbanken + Mail).
Vorbemerkung: Frischer Server statt In-Place
KeyHelp sollte auf einem frischen Server installiert werden (Debian oder Ubuntu, minimal). Eine Installation „neben" Plesk auf demselben System funktioniert nicht. Der alte Plesk-Server bleibt bis zum Abschluss der Migration online – das ermöglicht einen Umzug ohne nennenswerte Downtime.
1. Bestandsaufnahme auf dem Plesk-Server
Vor dem Umzug eine Liste erstellen:
- Domains und Subdomains (inkl. Aliase)
- Datenbanken + Zugangsdaten (
plesk dbhilft beim Überblick) - Mail-Konten je Domain (inkl. Weiterleitungen und Aliase)
- Cronjobs (Websites & Domains → Geplante Aufgaben)
- Besonderheiten: eigene vHost-Direktiven, PHP-Versionen, Let’s-Encrypt-Wildcards, externe DNS-Einträge
2. KeyHelp auf dem neuen Server installieren
wget https://install.keyhelp.de/get_keyhelp.php -O install_keyhelp.sh
bash install_keyhelp.sh
Nach der Installation im Panel (https://server-ip:8443 bzw. konfigurierter Hostname): Admin-Account einrichten, Updates aktivieren, Let’s Encrypt für den Hostnamen ausstellen.
3. Domains und Benutzer in KeyHelp anlegen
KeyHelp arbeitet benutzerbasiert: erst Benutzer anlegen, dann diesem die Domains zuordnen. PHP-Version je Domain einstellen, DocumentRoot notieren (Standard: /home/users/<user>/www/<domain>).
Wichtig: Solange die Domain noch auf den alten Server zeigt, in KeyHelp die Let’s-Encrypt-Ausstellung noch nicht erzwingen – die klappt erst nach dem DNS-Umzug.
4. Website-Daten übertragen
Am einfachsten per rsync vom alten auf den neuen Server:
rsync -avz --progress \
root@alt-server:/var/www/vhosts/example.com/httpdocs/ \
/home/users/kunde1/www/example.com/
Danach Dateirechte auf den KeyHelp-Benutzer setzen (chown -R kunde1:kunde1 …).
5. Datenbanken umziehen
# Auf dem Plesk-Server exportieren
plesk db dump datenbankname > datenbankname.sql
# Auf dem KeyHelp-Server: DB im Panel anlegen, dann importieren
mysql -u dbuser -p datenbankname < datenbankname.sql
Anschließend die Zugangsdaten in den Web-Anwendungen anpassen (z. B. wp-config.php). KeyHelp vergibt eigene DB-Namen mit Präfix – die Konfigurationsdateien also unbedingt prüfen.
6. Mail-Konten migrieren
Konten in KeyHelp anlegen (gleiche Adressen, neue Passwörter dokumentieren). Bestehende Mails am zuverlässigsten per imapsync übertragen:
imapsync --host1 alt-server --user1 info@example.com --password1 'ALT' \
--host2 neu-server --user2 info@example.com --password2 'NEU'
Weiterleitungen und Aliase manuell nachziehen.
7. Testen vor dem DNS-Umzug
Lokal die hosts-Datei auf die neue Server-IP zeigen lassen und alles durchklicken: Website, Login-Bereiche, Formulare, Mailversand. Erst wenn alles passt, weiter zu Schritt 8.
8. DNS umstellen und SSL ausstellen
- TTL der Records schon 1–2 Tage vorher auf 300 s senken
- A-/MX-Records auf die neue IP ändern
- In KeyHelp Let’s-Encrypt-Zertifikate für die Domains ausstellen
- Alte Plesk-Instanz noch 1–2 Wochen als Fallback laufen lassen (Mails, Nachzügler-DNS), dann abschalten
Was KeyHelp nicht kann (vorher prüfen!)
- Kein Pendant zum WP Toolkit (WordPress-Verwaltung manuell/über Plugins)
- Keine Erweiterungs-Ökosystem wie bei Plesk
- Reseller-Funktionen deutlich schlanker
Für viele Setups reicht KeyHelp völlig – und spart die Plesk-Lizenzkosten.
Wer ist den Weg schon gegangen? Stolperfallen und Tipps gern hier ergänzen.